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| Wie Unternehmen von der Silver Economy profitieren |
Die Seniorenwirtschaft (Silver Economy) ist der zur Zeit größte Wachstumsmarkt in Europa. Allein für die Gesundheitswirtschaft werden bis 2035 Umsatzsteigerungen von bis zu zwölf Prozent erwartet. Viele Unternehmen befassen sich mittlerweile intensiv mit dem Folgen des demografischen Wandels, aber oft fehlt das Fachwissen über die Bandbreite der Silver Economy, um alle Potenziale, die dieser interessante Markt bietet, optimal ausschöpfen zu können.
Der Begriff Seniorenwirtschaft (silver economy) bezeichnet allgemein diejenigen Wirtschaftsbereiche, die ältere Menschen als Zielgruppe für ihre Produkte und Dienstleistungen im Blick haben. Auf europäischer und internationaler Ebene (USA / Japan) hat sich in der Diskussion um die wirtschaftlichen Chancen des demographischen Wandels der Begriff Silver Market bzw. Silver Economy (Silberwirtschaft) durchgesetzt.
Deutschland wird schon bald zu den Ländern mit der ältesten Bevölkerung in Europa gehören. Dadurch ergeben sich große Herausforderungen, aber auch einzigartige Wachstumschancen. Wie eine aktuelle Studie der Roland Berger Strategy Consultants "Wirtschaftskraft Alter" zeigt, können sich Unternehmen, die sich schon heute auf dem 50plus-Markt positionieren, strategische Wettbewerbsvorteile auf dem internationalen Markt bei der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen erlangen.
1. Wachstumsbranchen der Seniorenwirtschaft Zu den Gewinnern der Silver Economy werden mit einigem Abstand die Segmente „Gesundheit“ und „Tourimus“ zählen. Allein auf Grund der demografischen Entwicklung werden bis zum Jahr 2035 Umsatzsteigerungen von bis zu 12 bzw. 6 Prozent erwartet. Aber auch Immobilienwirtschaft und Wohnungsbaugesellschaften werden mit Gesundheits- und Seniorenimmobilien sowie neuen Genossenschaftsmodellen vom Wachstum profitieren. Weitere Wachstumsbranchen sind: - Freizeit & Bildung - Tourismus & Medical Wellness - Ernährung und Convenience - Gesundheit, Telemedizin, eHealth - Pflege / Ambient Assisted Living - Bauen & Wohnen - Handel, Handwerk & Dienstleistung - Kultur & Medien / web 2.0 - Kommunikation und Marketing - Versicherungen und Finanzdienstleistungen Viele Teilmärkte lassen sich schon heute nicht mehr von einander abgrenzen. Dies gilt insbesondere für die Segmente Medical Wellness und Medizin Tourismus, aber auch für den Bereich eHealth, der mit Smart Homes, Smart Living, Intelligent Homes & Buildings oder Telematic für Senioren bereits Einzug in die Architektur erhalten hat. Aber auch in der Dienstleistungswirtschaft geht der Trend zum "Service aus einer Hand". Anbieter reagieren auf diesen wachsenden Bedarf zunehmend mit der Bildung von Kooperationen und Netzwerken. Branchenübergreifende Kooperationen Nach Kenntnissen des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) bieten bereits mehr als ein Drittel der im Verband vertretenen Genossenschaften altersgerechte Produkte und Serviceleistungen an. 35,5 Prozent der GdW-Mitglieder haben ihre Wohnungen bereits mit Notrufsystemen oder Rufbereitschaften ausgestattet und knapp ein Viertel organisiert hauswirtschaftliche Dienste. Etwa jede dritte Genossenschaft kooperiert dabei mit Trägern der Wohlfahrtspflege. Aber nicht nur Wohnungsgenossenschaften kooperieren mit Pflegediensten, auch werben immer häufiger Reiseunternehmen und Seniorenhotels mit medizinischer Betreuung und ambulanter Pflege vor Ort. Senioren-Residenzen und Wohnparks kooperieren mit Fitnessstudios, Personal Trainern, Sport- oder Kneipp-Vereinen. Aber auch Handwerker haben das Netzwerken für sich entdeckt und arbeiten mit Tischlern, Schreinern, Elektrikern, Metallbauern, Architekten, Designern und Finanzierungsberatern bei der Entwicklung barrierefreier Häuser und Wohnumgebungen zusammen. Informationstransfer Da die Seniorenwirtschaft bisher kaum bekannt ist, ist es zunächst wichtig, den 50plus-Markt insgesamt transparenter zu machen. Nicht nur Wirtschaftsunternehmen, sondern auch soziale Organisationen, Verbände und Kommunen müssen darüber hinaus ihre Produkte- und Dienstleistungen besser als bisher an den Bedürfnissen und Erwartungen der Zielgruppe 50plus ausrichten. Für alle Akteure der Silver Economy wird darüber hinaus der Informationstransfer zwischen den Branchen einerseits und zwischen Forschung, Wirtschaft, Politik und Marketing andererseits an Bedeutung gewinnen. 2. Universal Design und nutzerfreundliche Produkte Darüber hinaus werden die Themen Universal Design (Design für alle), Barrierefreiheit und Accessibility (räumliche Zugänglichkeit) auch in Hinblick auf zukünftige Antidiskriminierungsrichtlinien für die Privatwirtschaft an Bedeutung gewinnen. Hersteller und Entwickler erkennen zunehmend die Bedeutung nutzerfreundlicher Produkte und Verpackungen. Kriterien des Universal Design Universelles Design lässt sich an sieben Kriterien messen: 1.Breite Nutzbarkeit 2.Flexibilität in der Benutzung. 3.Einfach, selbsterklärend und intuitiv nutzbar 4.Sensorisch wahrnehmbare Informationen. 5.Fehlertoleranz (Warnungen vor Risiken und Fehler) 6.Geringer körperlicher Aufwand. 7.Angemessene Größe / Raum für Bewegungsfreiheit (Rollstuhl) Funktion und Ästhetisches Design „Form follows function“ – Dieser Grundsatz gilt auch für das Universelle Design, denn die heute über 50-Jährigen lehnen die Stigmatisierung des Alters durch spezielle „Seniorenprodukte“ ab und sie werden auch in zwanzig Jahren ganz sicher kein „Seniorendesign“ akzeptieren. Beim Universellen Design sind daher Funktion, Ergonomie und Ästhetik die wichtigsten Kriterien. „Universal Design ist keine Frage des Alters, sondern der Qualität.“ (Prof. Dr. Zeck). In Marketing und Werbung sollte daher der defizitorientierte Ansatz abgelöst werden durch einen Ansatz, der die Erfahrungen und Potentiale erfahrener Konsumenten betont. Insgesamt geht der Trend hin zu leicht zu bedienenden ästhetischen Produkte mit hohem Nutzwert. Dass neben Produkten, Verpackungen und Internetpräsenzen auch der „point of sale“ barrierearm und kundenorientiert gestaltet werden sollte, ist noch weit gehend unbekannt. Noch immer sind den meisten Verkaufsräumen die Gänge zwischen den Regalen zu schmal für Rollatoren und machen Stolperfallen, schlechte Beleuchtung und rutschige Bodenbeläge den Einkauf für ältere Konsumenten zu einem Wagnis. Ebenso fehlen in den meisten Supermärkten automatische Türöffner, lesbare Preisschilder, Informationstafeln und Sitzgelegenheiten. Beispiel barrierefreier Tourismus Barrierefreiheit hat sich auch im Bereich Tourismus zu einem der wichtigsten Kriterien entwickelt. So werben gerade die östlichen Bundesländern (z.B. Sachsen barrierefrei) mit Barrierefreiheit in allen Segmenten der touristischen Servicekette: Angefangen mit den Informationssystemen (Internetseiten, Katalogen, Stadtplänen und Fahrplänen) über die Verkehrssysteme, Hotels und Restaurants bis hin zu Attraktionen und Events. Hotels für Senioren achten beispielsweise auf barrierefreie Zugänge, gute Beleuchtung und Beschilderung der touristischen Unterkünfte, verständliche und leicht lesbare Informationen, Piktogramme und Hinweise über geplante Aktivitäten und Transportmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. In diesen Regionen haben sich in der Regel auch Museen, Gedenkstätten und Erlebnisbäder auf ältere Touristen eingestellt. Aber auch die größte Fluggesellschaft Japans, die Japan Airlines (JAL), orientiert sich am Universal Design und hat in ihre neue First Class Ledersitze einbauen lassen, die 53 cm breit sind und deren Rückenlehne sich bis zu 132° neigen lässt. Parallel wurde der Internetauftritt komplett barrierefrei umgestaltet und mit gut verständlichen Piktogrammen ergänzt. 3. Fazit Um im 50plus-Markt erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte (inklusive Verpackungen) die wichtigsten Kriterien des Universellen Designs wie leichte Bedienbarkeit, hoher Nutzungskomfort und anspruchsvolle Ästhetik berücksichtigen. Im Dienstleistungsbereich erwarten erfahrene Konsumenten neben individueller und persönlicher Beratung umfassende Serviceleistungen und einen klar kommunizierten Nutzen. Nicht zuletzt wird Barrierefreiheit auch in den Bereichen Kommunikation, Marketing und PR schon bald Standard sein. Alter ist, wie wir heute wissen, vor allem eine Frage der Einstellung. Daher werden in allen Bereichen der Wirtschaft in Zukunft Strategien gefragt sein, die die unterschiedlichen Lebensstile und Erfahrungshorizonte älterer Konsumenten stärker berücksichtigen. Vor allem aber wird es darauf ankommen, Angebote zu entwickeln, die eine aktive Teilnahme am sozialen und gesellschaftlichen Leben bis ins hohe Alter gewährleisten. Aufgerufen: 737
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Der Begriff Seniorenwirtschaft (silver economy) bezeichnet allgemein diejenigen Wirtschaftsbereiche, die ältere Menschen als Zielgruppe für ihre Produkte und Dienstleistungen im Blick haben. Auf europäischer und internationaler Ebene (USA / Japan) hat sich in der Diskussion um die wirtschaftlichen Chancen des demographischen Wandels der Begriff Silver Market bzw. Silver Economy (Silberwirtschaft) durchgesetzt.
Deutschland wird schon bald zu den Ländern mit der ältesten Bevölkerung in Europa gehören. Dadurch ergeben sich große Herausforderungen, aber auch einzigartige Wachstumschancen. Wie eine aktuelle Studie der Roland Berger Strategy Consultants "Wirtschaftskraft Alter" zeigt, können sich Unternehmen, die sich schon heute auf dem 50plus-Markt positionieren, strategische Wettbewerbsvorteile auf dem internationalen Markt bei der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen erlangen.
