| Redaktion wehrt sich gegen Zusammenschluss |
|
Die Redaktion der "Berliner Zeitung"
reagierte am Montag mit einem Offenen Brief an das Kölner Verlagshaus M. DuMont
Schauberg (MDS) auf die geplante Fusion verschiedener Ressorts von
"Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau". Dumont hatte
vergangenen Freitag den geplanten Zusammenschluss der jeweiligen Wirtschafts-
und die Wissenschaftsredaktionen bekanntgegeben. Nur regionale
Wirtschaftsthemen sollen noch in Berlin bearbeitet werden. Dort soll im
Gegenzug ein zentrales Medienressort eingerichtet werden, das die Bereiche
Bundespolitik und Wirtschaftspolitik für mehrere DuMont-Zeitungen abdecken
soll. Das Vertrauen in Zusagen des neuen Eigentümers sei erschüttert, hieß es in dem Schreiben. Bei der Übernahme des Berliner Verlags im Frühjahr habe MDS zugesagt, die "Berliner Zeitung" zu entwickeln und die Redaktion an diesem Prozess zu beteiligen: "Die Pläne führten zu "journalistischem Einheitsbrei", seien "willkürlich" und bedrohten die "Unverwechselbarkeit" und die "Seele" der Blätter. Eine Umsetzung der Pläne würde die Redaktion im Kern treffen, die Substanz der führenden Hauptstadtzeitung gefährden und die Marke 'Berliner Zeitung' mit ihrer engen Leser-Blatt-Bindung beschädigen", schrieb die Redaktion im ihrem am Montag auf einer Versammlung erarbeiteten Brief. Die Pläne widersprächen zudem dem von MDS anerkannten Redaktionsstatut. "Dieses legt fest, dass die 'Berliner Zeitung' eine 'Autorenzeitung mit Vollredaktion' ist, die eigene überregionale und regionale Ressorts umfasst." Mit der geplanten Zusammenlegung leitet MDS die angekündigte Verknüpfung seiner Abozeitungen ein. Der drittgrößte deutsche Zeitungsverlag ("Express", "Kölner Stadt-Anzeiger") hält die Mehrheit an der "FR". Im März kaufte MDS die deutschen Blätter des Medieninvestors David Montgomery, "Berliner Zeitung", "Berliner Kurier" und "Hamburger Morgenpost". MDS kommt so auf rund 750 Millionen Euro Konzernumsatz. Verleger Konstantin Neven DuMont hatte kürzlich im Interview der Financial Times Deutschland angekündigt, durch die Verzahnung der Zeitungen Synergien erzielen zu wollen. "Es kommt alles auf den Prüfstand", so Neven DuMont. Der Verleger kündigte an, dass bei der Umstrukturierung Arbeitsplätze wegfallen dürften. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, ist offen. |